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Das Herdopfer-Fest
Es war in fast ganz China üblich, am 23. Tag des zwölften Monats dem Herdgott Opfer darzubringen.
Überlieferungen zufolge reicht diese Tradition 2000 bis 3000 Jahre zurück. Der Herdgott Zaowangye (chinesisch: 灶王爷) ist der Legende nach ein Geist, der für das Feuer in der Menschenwelt zuständig ist. In der klassischen mythologischen Erzählung Chinas Die Heiligsprechung der Götter, wird der Herdgott beschrieben. Danach ist seine Macht nicht allein auf das Feuer beschränkt, er ist auch gleichzeitig der vom Jadekaiser, dem Herrn des Himmels, beauftragte "Aufseher". Von Zeit zu Zeit macht er sich über die Führung der Menschen Notizen. Jedes Jahr am 23. Tag des zwölften Monats kehrt er in den Himmelspalast zurück, um dem Jadekaiser Bericht zu erstatten. So streben abergläubische Menschen danach, ihn nicht zu verärgern, und verhalten sich ihm gegenüber sehr höflich. Sie bitten ihn, "Nur Gutes im Himmel zu sprechen und Friede auf der Erde zu bewahren". Jedes Jahr am 23. Tag des zwölften Monats, wenn der "alte Herr der Küche" gen Himmel steigt, wird ihm in jedem Haus reichlich Malzzucker geopfert . Um ihm die Himmelsfahrt zu erleichtern, wird ihm ein aus Halmen geflochtenes Pferd mitgegeben. Auch Futter und Wasser für das Pferd werden nicht vergessen. Wenn alles vorbereitet ist, wird sein Bildnis über dem Herd heruntergeholt und zusammen mit Weihrauch, Pferd und Futter verbrannt. Ein neues Bildnis des Herdgottes wird dann am Silvesterabend an die Wand geklebt, ein Zeichen, dass er vom Himmel wieder zurückgekehrt ist.
Ursprung des Herdopfer-Fest
Über den Ursprung des Herdgottes gibt es eine Fülle unterschiedlicher Überlieferungen, es ist schwer zu sagen, welche Interpretation zutreffend ist. In einem Buch hat man versucht, den richtigen "Beweis" dafür zu liefern. Danach soll der Herdgott Zhang heißen. Diese unter dem Volk weitverbreitete Annahme erklärt sich daher, dass der Jadekaiser, Vorgesetzter des Herdgottes, auch Zhang heißt. So ist es klar, dass der Herdgott auch Zhang heißt.
Abgesehen vom Familiennamen ist eines jedoch sicher: der Herdgott ist ein Mann. Deshalb wird die Prozedur des Herdopfers meistens vom Hausherrn durchgeführt. Besonders in Nordchina gibt es einen Sprichwort: "Männer verehren den Mond nicht und Frauen opfern dem Herdgott nicht." Diese Aussage hat allerdings einen Makel: Sie ignoriert einfach die "Frau des Herdgottes", die freundlich neben Herdgott steht.
Vor langer Zeit, so heißt es in der Sage, gab es einen jungen Mann namens Zhang. Er nahm Guo Ding-xiang zur Frau. Dingxiang war eine schöne, kluge und begabte Frau. Die beiden waren sehr fleißig, der Mann bestellte das Feld und die Frau webte zu Hause. In weniger als drei Jahren bauten sie einen blühenden Haushalt auf. Danach heiratete Zhang eine Nebenfrau namens Haitang. Diese war faul und neidig, und gab gern Geld aus. Sie verstand sich darauf, Zhang mit ihrer Schönheit für sich zu gewinnen, und brachte ihn schließlich dazu, sich von Guo Dingxiang zu trennen. Zhang und Haitang gaben sich nun dem Vergnügen hin und vernachlässigten ihre Arbeit. Innerhalb von zwei Jahren war der Haushalt völlig heruntergekommen. Haitang konnte ein Leben in Armut nicht ertragen und verließ Zhang. Zhang war so arm geworden, dass er nur durch Betteln überleben konnte. So kam er an einem kalten verschneiten Wintertag halb verhungert an einem Haus vorbei und bat mit letzter Kraft um ein Almosen. Eine Magd führte ihn in die Küche und ließ ihn sich satt essen. Voller Dankbarkeit erkundigte Zhang sich nach dem Hausherrn. Eine alleinstehende gütige Frau ohne Verwandte sei die Besitzerin des Hauses, erzählte ihm die Magd. In diesem Moment kam die Hausherrin herein, und Zhang erblickte Guo Dingxiang, die er zwei Jahre zuvor erbarmungslos vertrieben hatte. Er schämte sich so sehr, dass er sofort verschwinden wollte. Da ihm der Ausgang versperrt war, sprang er in' den Ofen. Als ihn die beiden aus dem Ofen herauszogen, war es schon zu spät. Dingxiang erkannte ihren früheren Mann wieder und war sehr betrübt. Wenige Tage später starb sie an gebrochenem Herzen.
Der Herr des Himmels hörte von dieser Geschichte und wollte Zhang für seine Treulosigkeit schwer bestrafen; als er aber bedachte, dass dieser sich schon selbst der Todesstrafe unterzogen hatte, entschloss er sich, ihn zum Herdgott und Dingxiang zur Herdgöttin zu ernennen, die in der Menschenwelt ewig verehrt werden sollten.
Gebräuche anlässlich des Herdopfers
Trotz der langen Tradition des Herdopfers sind die Gaben für den Herdgott nicht gerade reichlich. Das liegt vielleicht daran, dass der Herdgott Zhang in seinem Leben viel durchgemacht hat und weiß, was Armut bedeutet. Darum sind seine Forderungen nicht übertrieben, so die Vermutung. Der Dichter Luo Yin aus der Tang-Dynastie schrieb: "Mit einer Kanne Tee und einem Weihrauchstab fährt der Herr des Herdes in den blauen Himmel." Das ist ein Beweis, dass die Opfer für ihn in der Tang-Zeit sehr spärlich waren, auf jeden Fall viel geringer als für andere Götter. Später fürchtete man, dass das Opfer doch zu bescheiden sei, und gab Malzzucker dazu. Dieser Zucker ist preiswert und hat dazu eine besondere Eigenschaft: Er ist sehr klebrig. Isst man ihn, kriegt man hinterher den Mund kaum noch auf. Auf diese Weise will man verhindern, dass der Herdgott im Himmel Unsinn erzählt.
Obwohl auch heute am 23. Tag des zwölften Monats das Herdopfer begangen wird, ist das Fest eher für die Kinder als für den Herdgott. Denn der Malzzucker wird direkt den Kindern verteilt, ohne jemals geopfert worden zu sein.
























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