China Reisen » China Wissen > Kultur > Chinesische Feste > Laternenfest > Laternen
Die Yuanxiao-Laternen
Die Laternen des Yuanxiao-Festes sind sehr beliebt, dies ist ein Brauch, der sich bis heute gehalten hat.
In dem Werk Dongjing Mengbua Lu, einem Buch über die Hauptstadt Dongjing (chinesisch: 东京)der Nördlichen Song-Dynastie (heute Kaifeng in der Provinz Henan), heißt es: "Zum Yuanxiao am 15. Tag des ersten Monats wurden vor dem Inneren Palast große Zeltdächer und Abschirmungen errichtet. Die Besucher strömten in die Wandelgänge des Palastes, wo Theaterbühnen für Tanz, Gesang und andere Aufführungen dicht nebeneinander standen. Im Umkreis von 10 Meilen war alles von fröhlichem Lärm erfüllt." Diese Beschreibung gibt ein lebensnahes Bild der damaligen Yuanxiao-Feiern.
Die Entstehung dieses Brauches hängt auch mit den damals üblichen nächtlichen Ausgangssperren zusammen. Es gab seit der Zhou-Zeit Verbote, sich nachts auf den Straßen aufzuhalten oder zu versammeln. Diese strengen Regeln standen im Widerspruch zu den Feiern, die im ersten Monat stattfanden. Um diese Widersprüche etwas zu mildern und auch, weil sie sich selbst vergnügen wollten, lockerten die Herrschenden an den Festtagen die Ausgangssperre. Im Buch der Musik der Historischen Aufzeichnungen wird berichtet, dass während der Han-Dynastie am 15. Tag des ersten Monats die ganze Nacht hindurch Opfer für den Himmelsherrn dargebracht werden durften. Dies markiert wohl den Beginn der gelockerten Ausgangssperre und den Anfang des Brauches, in dieser Nacht spazieren zu gehen und Laternen zu betrachten. Das Aufhängen von Yuanxiao-Laternen war bereits in der Zeit der Südlichen und Nördlichen Dynastien im 4. und 5. Jahrhundert eine weitverbreitete Sitte.
In der Tang-Zeit (618-907) wurden das Yuanxiao-Fest (chinesisch: 元宵节), der Tag davor und der Tag danach offiziell zu Feiertagen. Bei sämtlichen Behörden ruhte die Arbeit. Die Ausgangssperre wurde für diese drei Tage vorübergehend aufgehoben, die
Stadtbevölkerung konnte während dieser Zeit vergnügt herumstreifen, man durfte sogar in den Palastbezirk hinein, den Wachen war es untersagt sich einzumischen. Im zweiten Jahr der Regierungsperiode des Tang-Kaisers Xuanzong (713 n. Chr.) wurden zum Yuanxiao die Tore des Palastes geöffnet, vor dem Palast stand "ein Gerüst für die Laternen, 200 Fuß hoch ... Es brannten 50 000 Lampen, es sah aus wie ein Meer von Blumen", darüber hinaus wurde mehreren tausend Mädchen des Palastes und über 1000 aus der Stadt Chang'an befohlen, "drei Tage und Nächte bei den Laternen zu tanzen und zu singen". Von da an wurde es Tradition, dass sich die Kaiser aller Dynastien vom Palast aus die Yuanxiao-Laternen anschauten. Sie wollten damit ausdrücken, dass sie die Freude des Volkes teilten. Vor Palästen, Klöstern und den Häusern von Adligen und Reichen wurden große Zelte errichtet oder Hallen gebaut, in denen die Laternen ausgestellt wurden. Man geizte nicht bei der Laternenherstellung, jeder wollte etwas Besonderes zeigen, um damit die Aufmerksamkeit auf seine Laternen zu ziehen, Straßen und Gässchen waren taghell erleuchtet von dem Meer bunter Lampen. Während der Song-Dynastie wurde die Zeit der Laternenausstellung von drei auf fünf Nächte verlängert, das Yuanxiao-Fest (chinesisch: 元宵节) wurde zu einem noch bedeutenderen Ereignis. Interessant ist, dass der Hof festlegte, jeden Besucher mit einem Becher Wein zu ehren, um das Volk zu ermuntern, sich die Laternenausstellung im Palast anzusehen.
Dieser tausend Jahre alte Brauch besteht bis heute. Überall werden bunte Laternenfeste (chinesisch: 灯节) organisiert. Dieser Festtag ist durch eine besondere Stimmung gekennzeichnet: Am Himmel der Glanz des silbernen Mondes, auf der Erde der Schein von zehntausend Laternen. Es gibt an diesem Tag auch noch andere Aktivitäten wie z. B. Schaukeln für Kinder, Spiele mit Drachenlampions, Feuerwerk, Stelzenlaufen, die "Bootsfahrt auf dem Trockenen" und vieles mehr. An jedem Ort gibt es andere Gebräuche und Traditionen.
Gefördert durch die Lampenausstellungen zum Yuanxiao wurde die Herstellung von Laternen zu einer einzigartigen Kunst. Der Beginn dieser Kunst ist zeitlich nicht exakt festzustellen. Es heißt, der bekannte Baumeister Lu Ban aus der Zeit der Streitenden Reiche hätte, als er einen Palast zu errichten hatte, auch gleich die entsprechenden Laternen dazu geschaffen. Solche Laternen haben also mindestens eine 2000-jährige Geschichte. Es gibt sehr viele Variationen dieser bunten Laternen, z. B. Formen von Menschenfiguren, die an Sagen und Legenden erinnern sollen, wie "Chang E steigt zum Mond empor", "Xi Shi pflückt Lotusblumen" und "Liu Hai spielt mit der Kröte"; es gibt aber auch Laternen, die mit allen möglichen Blumen, Früchten oder Tieren geschmückt sind: Lotus, Trauben, Melonen, Lotuswurzeln, Päonien, Mandarinen und Orangen, Rehe, Kraniche, Drachen, Pferde und Affen, Phönix, Goldfisch, Karpfen, Frösche, Krebse u. a. Heutzutage gilt das Prinzip "Lasst hundert Blumen blühen", d. h. verschiedene Formen konkurrieren miteinander. So gibt es auch traditionelle drehende Bilderlampen.
In den drehenden Bilderlampen sind normalerweise Papierpferde mit Reitern zu sehen, die sich im Kreis drehen. Im unteren Teil dieser Lampe ist eine Art Windrad angebracht, eine brennende Kerze lässt die erwärmte Luft aufsteigen, die das Rad antreibt. Heute gibt es aber auch elektrische Wandlampen, sie zeigen Themen aus klassischen Erzählungen wie z. B. "Das Weiße Knochengespenst wird dreimal besiegt". Andere elektrisch betriebene Lampen tragen Namen, wie z. B. "Der Pfau öffnet sein Rad", "Das Himmelsmädchen streut Blumen" oder "Ein Goldfisch spuckt eine Perle aus". Im Nordosten stellt man Laternen aus Eis her, diese wie von Geisterhand geformten Eisschnitzereien und Schneeskulpturen entzücken die Betrachter. Die Materialien zur Herstellung der Laternen sind unterschiedlich, das Gestell wird aus Bambus-, Eisen-, Holz- oder Rohrleisten, Stroh, Hörn u. a. gemacht, dann wird es mit buntem Papier, Schappseide, Gaze, Seidenstoff, Glas oder Kunststoff beklebt.
Am Yuanxiao-Fest (chinesisch: 元宵节) pflegt man auch Rätsel an Laternen anzubringen. Rätsel finden in China ihren Ursprung im 7. Jahrhundert vor Christus in der Frühlings- und Herbstperiode. Zur damaligen Zeit versuchten viele Strategen, Fürsten mit ihren Ratschägen zu überreden. Manche deuteten jedoch nur mit Sprüchen an, was sie meinten, so entstanden Rätseln. Wenn man ein Rätsel an den Laternen lösen kann, gewinnt man einen kleinen Preis.



























Mit unserer interaktiven 
