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Rot bei Frauen
Mit Rot schöne Frauen zu umschreiben war in der chinesischen Geschichte sehr verbreitet.
Dies kam vor allem auch von den Bekleidungsritualen. In der Qin-Dynastie trugen Kaiserin und kaiserliche Konkubinen im Sommer leichte rote Kleidung. In den Nördlichen und Südlichen Dynastien liebten Frauen besonders farbenprächtige Kleidungsstücke. Han-Frauen trugen vielfältige und farbenfrohe Kleider z. B. ein Kleid mit Farbstreifen aus dunkelroter Gaze oder ein Doppelkleid mit scharlachroten und hellgrünen Streifen. Mit Fünf-Farben-Schuhen erschienen Frauen damals wie Regenbogen. In der Tang-Dynastie waren die Frauenkleider kühn und anziehend, farbenprächtig und vielfältig. Und doch trugen die Frauen am liebsten ein rotes Kleid. Dazu malten sie sich mit roter Farbe Mondsichel und Münzen ins Gesicht und färbten sich die Nägel rot. Laut Überlieferung wurde diese rote Farbe von Eidechsen gewonnen, die Zinnober gefressen hatten.
Röcke rot wie Granatenapfelblumen wurden von Sängerinnen und Tänzerinnen bevorzugt. Ein Vers zitiert: "Unter Granatenapfelblumen-Röcken sieht man die zierliche Taille". Wie stark die weiblichen Reize in Granatenapfelblumen-Röcken hervorstechen, beweist die Redensart "Dem Granatenapfelblumen-Rock unterworfen sein", die bedeutet, dass Männer von weiblicher Schönheit überwältigt werden. Rote Kleider waren sogar der Kaiserin und den kaiserlichen Konkubinen vorgeschrieben, wenn sie beim Kaiser Audienz hatten. Im Alltag trugen sie auch hell- oder dunkelrote Oberbekleidung und darunter ein gelbes Kleid. Dazu legten sie sich einen roten Schal um die Schultern. Damals waren bei den Edeldamen eng anliegende rosafarbene Unterkleider beliebt. Bei einer zu jener Zeit beliebten Frisur "Haarknoten mit Quasten" hingen zwei rote Seidenbänder von dem mit Schmuck übersäten Kopf herab.
In der Yuan-Dynastie wurde 1259 die willkürliche Verwendung der roten Farbe untersagt. Trotzdem trugen Frauen immer noch rote Schuhe. Anfang der Ming-Dynastie nur Frauen mit einem kaiserlichen Titel rote Umhänge anziehen und rote Bänder tragen. Ende der Ming-Dynastie haben auch Frauen aus reichen Familien scharlachrot getragen. Auch in der Qing-Dynastie, die eher von gelb bis grün gekennzeichnet war, war Rot bei den Frauen weiterhin beliebt, insbesondere knallrot.
„Der Traum der Roten Kammer“ von Cao Xueqin wird als Lexikon der traditionellen chinesischen Kultur gerühmt. Das Buch beschreibt ausführlich Kleidung, Ess- und Festtagsgewohnheiten und Hausdekorationen. Öffnet man das Buch, kann man schnell feststellen, dass die rote Farbe umfassend Verwendung fand.
Die meisten chinesischen Frauen kleiden sich aus Vorliebe rot. In der roten Farbe steckt ein kleines Geheimnis: rote Kleidung macht Frauen anziehend.
Im Traum der Roten Kammer gibt es zwei besonders anziehende junge Frauen, die Schwestern You. Die Ältere "zieht sich nur eine kleine scharlachrote Jacke an, die Haare hängen herab wie ein Wasserfall. Ihr Gesicht ist von Freude erfüllt, so dass sie mehr strahlt als sonst". Ihre jüngere Schwester You Sanjie war noch hübscher. Sie „hat grüne Hosen und rote Schuhe an. Ihre Füße sind ständig in Bewegung und finden keine Minute Ruhe", so dass Männer in ihrer Nähe ganz betört werden.
Der andere klassische Roman „Kin Ping Meh“ beschreibt die anziehende und zugleich unzüchtige Frau Pan Jinlian, eine bekannte Figur in China. Sie hatte an ihren Drei-Zoll-Füßchen kleine rote Schuhe an.
Es ist kein Zufall, dass die zwei Autoren die rote Farbe als Metapher für sexuell anziehend verwendet haben. Verheiratete Frauen ziehen sich scharlachrote Leibchen an, auf denen in der Regel feine Muster wie "Fische spielen zwischen Lotosblättern" und "Mandarinenten schwimmen im Wasser" gestickt sind. Beide Motive sind Andeutungen für Sexualität. Bei großen Veranstaltungen kann man häufig feststellen, dass sich weibliche Stars elegante Kleider anziehen, die das chinesische Leibchen mit einem langen engen Rock verbinden.
In Filmen von Zhang Yimou, einem zeitgenössischen chinesischen Regisseur, wird die rote Farbe bewusst als Metapher für Sexualität eingesetzt. Beispiele dafür sind eine Reihe roter Lampions unter dem Dach im Film "Die rote Laterne" und das rote Leibchen der Wirtin der Schnapsbrennerei im Film "Das rote Kornfeld", gespielt von Gong Li.
Auch in Filmen wie "In the Mood for Love" und ,,2046" von Wong Kar-Wai hat der rote Qipao dazu beigetragen, dass sexuelle Anziehungskraft und weibliche Eleganz spürbar werden. Rot ist die ideale Farbe, um weibliche Schönheit zum Ausdruck zu bringen.
In den dreißig Jahren von den 1950ern bis in die 1970er wurde die rote Farbe von den chinesischen Frauen abgelehnt. Die damalige Frau "liebte Waffen statt roter Schminke". In den Augen der damaligen Feministinnen war Rot Sinnbild für traditionelle Frauen und alles Verdorbene. Doch in den 1980er Jahren erwachte der Instinkt der Frauen für Schönheit von Neuem. In den Straßen waren wieder rote Kleider zu sehen. Und die Medien betrachteten Frauen, die sich trauten, rote Kleider öffentlich zu tragen, nicht mehr als Vertreterinnen der Rückständigkeit, sondern rühmten sie als Vorreiterinnen einer neuen Offenheit. Das war der Beginn einer neuen Epoche.




























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