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Sex-Museum Tongli
Geschichte und Sex in der historischen Stadt Tongli.
Nachdem das Sex-Museum Shanghai verlassen musste, hat ihm Tongli eine neue Heimat geboten.
Tongli (chinesisch: 同里) ist heute ein Vorort von Suzhou (chinesisch: 苏州) in der Provinz Jiangsu (chinesisch: 江苏), nur gerade 40 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Und genauso wie Suzhou hat es zahlreiche Lustgärten, welche traditionelle chinesische Architektur und Gartenbaukunst kombinieren. Der bekannteste Garten von Tongli ist der Tuisi-Garten aus der Zeit der Qing Dynastie (1644-1911). Das chinesische Wort "tuisi" bedeutet "Rückzug" und "Reflexion". Es ist daher nicht erstaunlich, dass der Garten eine Menge von Pagoden und Türmen rund um einen großen Goldfischteich beherbergt und sich damit hervorragend zur Meditation eignet. Heute lenken einen zwar die vielen Besucher von diesem Zweck etwas ab, doch der Park ist noch immer ein lieblicher Ort; und an den ruhigeren Orten findet man noch immer etwas Zeit um nachzudenken. Im Pavillon der Versammelten Schönheiten, der entworfen wurde, um das Mondlicht zu beobachten, kann man noch immer die Bedeutung der alten chinesischen Gedichte erahnen, die von unterschiedlichen Felsen im und über dem Wasser erzählen.
Perlensänger
Diejenigen, welche keine Lust mehr auf eine Inspiration in den Gärten haben, können stattdessen einer Aufführung einer traditionellen Wuxi-Oper beiwohnen. Solche werden an jedem Wochenende und an Ferientagen zwischen 10.00 Uhr und 10.30 Uhr sowie zwischen 15.00 Uhr und 16.00 Uhr aufgeführt. Diese Shows bringen verschiedene Szenen der "Perlenpagode" auf die Bühne – ein Melodrama, das einst für das chinesische Fernsehen in eine Serie verwandelt worden ist und das Details über eine Liebesaffäre zwischen Fang Qing und Chen Cui'e erzählt. In der Geschichte möchte Fang gerne Chen heiraten, doch er hat weder das Geld noch den sozialen Status, um von der Familie seiner Angebeteten die Erlaubnis dazu zu bekommen. Um seine Chancen zu verbessern, versucht Fang die kaiserliche Prüfung zu bestehen, doch er hat nicht einmal genügend Geld, um zur Prüfungsstätte zu reisen. Um ihm bei seinem Vorhaben zu helfen, packt Chen für die Reise einen kleinen aus Perlen hergestellten Turm in eine Schachtel voller Süßigkeiten. Noch heute können Touristen das Gelände besichtigen, auf dem Chen einst lebte. Auch die Perlenpagode, welche sie ihm angeblich gegeben hatte, kann noch immer besichtigt werden.
Lasst uns über Sex reden!
Nachdem das Sex-Museum Shanghai verlassen musste, hat ihm Tongli eine neue Heimat geboten. Interessierte können nun durch den Skulpturgarten wandern und vier Ausstellungsräume zur Geschichte der Sexualität besuchen. Sie heißen: "Sex in Urgesellschaften", "Ehe und Frauen", "Sex im Alltag" und "Ungewöhnliches Sexualverhalten". Das Museum hegt den Anspruch, mehr als bloß eine voyeuristische Attraktion zu sein, und seine akademische Glaubwürdigkeit wird durch den Museumsdirektor Liu Dalin unterstrichen, der seinerseits Soziologieprofessor an der Universität von Shanghai ist.
Eine Reihe von Exponaten ist es wert, erwähnt zu werden. Darunter eine Statue eines Großvaters mit seinem Enkel, die beide statt eines Penis eine Schildkröte haben. Dies ist eine Anspielung darauf, dass das Wort für Eichel (guitou) und das für Schildkröte (wugui) das gleiche Zeichen teilen. Auf einem Fries kann man Gruppensex-Rituale aus der frühen Han-Dynastie (25- 220 n. Chr.) sehen. Dies gewährt einen faszinierenden Einblick in eine Sexkultur, die sich stark von der heutigen unterscheidet. Auch eine Reihe von Instrumente, mit denen untreue Frauen gefoltert werden konnten, sind ausgestellt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Yaxiangdi. Dies sind Figuren, die aufgestellt werden, um Frauen am Tag ihrer Hochzeit einige Positionen beim Sex beizubringen. Chinesisch-Lernende werden sich besonders für die Etymologie von chinesischen Zeichen interessieren, die aus den Radikalen für den Phallus und der Yoni zusammengesetzt werden. So stammt offensichtlich das Wort 吉 (Glück) von der Vereinigung der Radikale für den Phallus und die Yoni. Das Museum ist übrigens schwer zu verfehlen, denn davor steht ein Mann mit einem erigierten Phallus, der so groß ist wie sein ganzer Körper, und grinst freundlich.
Postkarten und Frieden
Nebst diesen Sehenswürdigkeiten hat ein Besucher von Tongli auch die Möglichkeit, die lokale Küche zu probieren. Heimische Spezialitäten umfassen Fenglisu (Ananas-Gebäck) und Wadisu (Biskuits in Form eines Fußes mit Frühlingszwiebeln und Schwarzem Sesam). Beides wird in zahlreichen lokalen Bäckereien verkauft. Wer einen Kaffee in einem westlichen Umfeld trinken will, kann zu Momi gehen (Fuguan Road 28), einem kleinen Café, das vollständig mit Postkarten dekoriert ist. Für zwei Yuan kann das Café zu einem beliebigen Zeitpunkt eine Karte verschicken. Nachts sind die Kanäle von Tongli mit traditionellen chinesischen Laternen beleuchtet, die von den Traufrinnen der Häuser hängen. Dies ist der ideale Zeitpunkt für einen ruhigen oder romantischen Spaziergang. Wer gerne einkauft, kann im Zhengfu Caotang (Xinmingqing Street 138-58) übernachten. Das ist eine Luxusherberge, deren Räume die Annehmlichkeiten des städtischen Lebens mit traditioneller chinesischer Eleganz verbinden. Räume kosten hier 480 Yuan pro Nacht, oder mehr. Die internationale Jugendherberge von Tongli bietet für nur 55 pro Person und Nacht eine günstigere Alternative an.
Anreise
Tourbusse vom Shanghai-Stadium nach Tongli fahren ab 8.30 Uhr morgens für 130 Yuan hin und zurück. Reisezeit pro Weg rund 1,5 Stunden.
Von der Fernbusstation in der Nähe des Nordplatzes des Shanghaier Bahnhofs fahren ab 9.40 Uhr morgens regelmäßig Busse nach Tongli. Die zweistündige Fahrt kostet pro Weg 35 Yuan.
Eine Eintrittskarte in das historische Zentrum vom Tongli kostet 80 Yuan und schließt den Eintritt in alle Sehenswürdigkeiten außer dem Sexmuseum (20 Yuan) ein.

























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