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Überalterung
Die Überalterung und die Altenfürsorg.
Die Bevölkerungsstruktur Chinas ist überraschend schnell in die Überalterung eingetreten. Weil die Wirtschaft Chinas mit dieser Entwicklung derzeit nicht Schritt halten kann, ist es dringend notwendig, ein umfassendes Altersversicherungssystem zu etablieren.
1. Drastische Änderungen in der Alterstruktur
Vor 1949 waren sowohl die Sterblichkeit als auch die Geburtenrate sehr hoch, die durchschnittliche Lebenserwartung betrug knapp 40 Jahre.
Nach Gründung der Volksrepublik begann mit der Erhöhung der Lebenserwartung der Anteil der alten Menschen zuzunehmen, jedoch war die Geburtenrate nach wie vor hoch. Insbesondere sind hier zwei Geburtenwellen Mitte der 50er Jahre und in der Periode der 60er bis Anfang der 70er Jahre zu nennen. Der Anteil der Kinder nahm erheblich zu. So stieg der Anteil der Altersklasse von 0-14 an der gesamten Bevölkerung von 33,6% 1950 auf 39,7% 1970. Der Anteil der Bevölkerung von über 65 Jahren fiel dann langsam ab, die Altersstruktur wies eine Tendenz zur Verjüngerung auf - wie auch in anderen Entwicklungsländern.
In den 70er Jahren trieb China mit großer Kraft die Politik der Familienplanung voran und erzielte dabei beachtliche Erfolge. Die Geburtenrate ging dramatisch zurück, der Zuwachs der Bevölkerung wurde verlangsamt, der Anteil der Menschen bis 14 Jahren an der gesamten Bevölkerung sank kontinuierlich auf 35,5% 1980 und auf 27,7% 1990. Der Anteil der Bevölkerung von über 65 Jahren und das Durchschnittsalter gingen weiter nach oben. In den letzten zehn Jahren des 20. Jahrhunderts begann sich der Übergang zu einer überalterten Gesellschaft abzuzeichnen. Der Anteil der alten Menschen mit über 65 Jahren stieg um 1,39 Prozent, das Durchschnittsalter erhöhte sich um 4,7 Jahre.
Vergleicht man den Verlauf der Überalterung Chinas mit dem in der übrigen Welt, ist festzustellen, dass es in China Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre - ebenso wie in anderen Entwicklungsländern - eine noch relativ junge Gesellschaft gab, während die entwickelten Länder eine Überalterung aufwiesen. Als China dann als erstes Entwicklungsland zu einer überalterten Gesellschaft überging, war die Überalterung in den entwickelten Ländern noch weiter fortgeschritten. Die Überalterung der chinesichen Bevölkerung lag etwa 50 Jahre hinter jener in den entwickelten Ländern zurück.
2. Die Tendenz der Überalterung
Die Entwicklung in China zeigt ähnliche Tendenzen wie die in den entwickelten Ländern und den anderen Entwicklungsländern, hat aber auch eigene Charakteristiken.
Das Tempo der Überalterung war schnell. Der Anteil der alten Menschen mit über 65 Jahren, Kennziffer einer überalteten Gesellschaft, ist in China innerhalb von 40 Jahren von 7% auf 17% gestiegen, was in entwickelten Ländern etwa 80 Jahre gedauert hat, in manchen sogar über 100 Jahre.
Obwohl die Überalterung der chinesischen Bevölkerung rund 50 Jahre hinter den entwickelten Ländern zurücklag, sind das Tempo der Entwicklung und die Zeit, in der sie eine kritische Phase erreichte, eine Seltenheit in der ganzen Welt. Voraussichtlich wird die Zahl der Menschen in hohem Alter (über 80 Jahre) in China zwischen 2030 und 2050 von 35 Millionen auf 88 Millionen steigen.
Die Altersstruktur der alten Menschen wird sich merklich ändern, denn alte Menschen zwischen 60 und 69 werden weniger als 50% der Alten ausmachen, während die alten Menschen über 70 Jahre auf mehr als 50% zunehmen. Unter ihnen wird der Anteil der über 80 Jahre alten von 10% auf 20% steigen.
Das Durchschnittsalter der alten Menschen (über 65 Jahre) wird sich von 68 Jahren auf über 71 Jahre erhöhen. Mitte des 21. Jahrhunderts wird die Überalterung der chinesischen Bevölkerung eine kritische Phase erreichen.
3. Die stufenweise und progressive Entwicklung der Überalterung
Prognosen zufolge dürfte zwischen 1980 und 2010 der Anteil der alten Menschen über 65 Jahre in China von 4,7% auf 8,1 % steigen, ein durchschnittlicher Jahreszuwachs von etwa 0,11 Prozent. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 15,7% wachsen, eine Zunahme um 7,6 Prozent gegenüber 2010 und ein durchschnittliches Jahreswachstum von 0,38 Prozent, somit eine Steigerung um das 3,5fache im Vergleich zum Tempo in den 30 Jahren vorher.
Von 2030 bis 2040 soll das Wachstum 5,6 Prozent betragen, eine durchschnittliche Zunahme von 0,56 Prozent pro Jahr und damit das höchste Steigerungstempo. Danach wird das Tempo der Überalterung den Prognosen zufolge langsamer. Zwischen 2040 und 2050 wird sich die Überalterung nur noch ganz wenig weiter entwickeln, das durchschnittliche Jahreswachstum wird nur noch 0,13 Prozent betragen. Nach 2050 wird sich der Anteil der alten Menschen langsam verringern.
4. Räumliche Unterschiede bei der Überalterung
Räumliche Unterschiede bei der Überalterung gibt es zwischen Stadt und Land sowie zwischen Regionen. Bei der Volkszählung von 1982 betrug der Anteil der alten Menschen auf der Kreis-, Stadt- und Gemeindeebene jeweils 5,0%, 4,7% und 4,2%, doch bei der Volkszählung von 1990 ergab sich, dass der Anteil der alten Menschen in den Städten nun jenen in den Kreisen und Gemeinden übertraf. Diese Tendenz verstärkte sich noch. Der Zuzug von Menschen aus den Dörfern in größere Gemeinwesen verjüngte zwar zunächst deren Altersstruktur, denn auf dem Land blieben meistens die alten Menschen zurück. Da in den Städten eine strengere Geburtenkontrolle durchgeführt wurde, ging der Anteil der Kinder jedoch schnell zurück, während der Anteil der alten Menschen schnell stieg.
Was die regionale Verteilung betrifft, so hat sich aus Stichproben von 1998 ergeben, dass 14 Provinzen und regierungsunmittelbare Städte den Landesdurchschnittlich in der Überalterung der Bevölkerung übertroffen hatten, nämlich Shanghai, Jiangsu, Beijing, Zhejiang, Tianjin, Chongqing, Shandong, Sichuan, Fujian, Anhui, Guangdong, Hunan, Liaoning und Guangxi. 17 Provinzen und autonome Gebiete lagen in Bezug auf die Überalterung unter dem l.andesdurchschnitt, nämlich Henan, Hubei, Hebei, Jilin, Jiangxi, Shaanxi, Shanxi, Yunnan, Hainan, Gansu, Guizhou, die Innere Mongolei, Tibet, Heilongjiang, Qinghai, Xinjiang und Ningxia.
In Shanghai mit dem höchsten Maß der Überalterung machte der Anteil der alten Menschen 13,1 % aus, in Jiangsu, Beijing und Zhejiang hatte der Anteil der alten Menschen jeweils 9,0% erreicht, während Ningxia mit dem niedrigsten Maß der Überalterung nur einen Anteil alter Menschen von 4,0% und Xinjiang, Qinghai und Heilongjiang einen Anteil von 5,0% aufwiesen.
Durchweg groß ist der Anteil der alten Menschen in den Ballungsgebieten wie in den südöstlichen Küstengebieten. In den dünn besiedelten Gebieten wie in den entlegenen nordwestlichen oder südwestlichen Regionen ist der Anteil der alten Menschen eher niedrig, und die Gebiete, die dazwischen liegen, haben durchschnittliche Werte. Daraus ergibt sich eine Landkarte der Überalterung, die regional deutliche Unterschiede zeigt und von Nordwest nach Südost allmählich höhere Zahlen alter Menschen aufweist.
5. Die Reform der Altenfürsorge in China
Die Überalterung der Bevölkerung ist für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung Chinas sehr folgenreich. Vor allem ist die Errichtung eines sicheren Systems der Altenfürsorge von großer Bedeutung, um der raschen Überalterung der Gesellschaft in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts standzuhalten und dieses ernste Stadium der gesellschaftlichen Entwicklung zu meistern.
China hat zur Zeit ein deutlich gestaffeltes Absicherungssystem der Altenfürsorge. In den Städten werden die alten Menschen vorwiegend durch die Gesellschaft abgesichert, während sie auf dem Land in erster Linie von ihren Kindern versorgt werden. Da Chinas Wirtschaft die eines Entwicklungslandes ist, seine Altersstruktur jedoch anähernd der eines entwickelten Landes entspricht, kann China nicht den Weg westlicher Wohlfahrtsstaaten gehen und deren System der Altenfürsorge übernehmen. Es geht vielmehr darum, ein Absicherungssystem für die Alten zu entwickeln, das gesellschaftliche, familiäre und eigene Leistungen einbezieht.
Das Konzept sieht im Wesentlichen folgendes vor:
- Die gesellschaftliche Fürsorge wird aktiv gefördert
Nach der Gründung der VR China und mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritten hat die soziale Absicherung für die alten Menschen eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Als Anfang der 50er Jahre die Volkswirtschaft begann, Erfolge zu zeitigen, wurde im Zuge der sozialistischen Umgestaltung der kapitalistischen Industrie und des kapitalistischen Handels sowie des privaten Handwerks ein Rentensystem in den staatseigenen Unternehmen und Institutionen sowie in einem Teil der genossenschaftlichen Betriebe eingeführt. Dieses Rentensystem vervollständigte sich von Jahr zu Jahr, die soziale Absicherung für die alten Menschen erfuhr eine rasche Entwicklung, die Zahl der Nutznießer vergrößerte sich. Im Jahr 1978, als die Reform- und Öffnungspolitik in die Tat umgesetzt wurde, gab es 3,14 Millionen Pensionäre und Rentner, deren Bezüge sich auf 1,73 Milliarden Yuan beliefen. Danach stieg die Zahl der Pensionäre und Rentner drastisch an, was eine enorme Steigerung der Wohlfahrts- und Absicherungskosten mit sich brachte.
Gemäß statistischen Angaben betrug im Jahr 2000 die Zahl der Pensionäre und Rentner 38,76 Millionen, die Aufwendungen dafür beliefen sich auf 273,33 Milliarden Yuan. Es wird erwartet, daß sich diese Zahlen in der nächsten Zukunft beschleunigt erhöhen. Jedoch ist der Deckungsbereich der Renten noch schmal, er schließt zudem nur staatseigene Unternehmen und Institutionen ein, entspricht also nicht den Bedürfnissen der raschen Überalterung der Bevölkerung. Angesichts des Widerspruchs, dass sich der soziale Absicherungsbereich ausdehnt und die Rentenfonds den Erfordernissen auf Dauer nicht entsprechen können, besteht der Ausweg nur in einer Reform mit dem Ziel, einen Fonds für die Altenfürsorge zu errichten, der mit Geldern von Unternehmen, Institutionen und Werktätigen finanziert wird.
1991 gab der Staatsrat den "Beschluss über die "Reform des Systems der Betriebsgrundrentenversicherung" bekannt und führte allmählich einn Rentenversicherungsystem in Verbindung der Grundrentenversicherung mit einer zusätzlichen Betriebsrentenversicherung und privaten SparbuchÂRentenversicherung der Arbeiter und Angestellten ein. Die Grundrentenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Unternehmen, Institutionen und selbstständigen Werktätigen müssen sich an der Grundrentenversicherung der Regierung beteiligen, termingemäß die Prämien entrichten und einen Fonds bzw. private Konten für die Grundrentenversicherung einrichten. Die zusätzliche Betriebsrentenversicherung ist eine freiwillige Versicherung, deren Einrichtung von der Lage der Unternehmen abhängig ist, und der Beitrag dafür darf nicht die l5%-Marke des gesamten Volumens der Löhne der Belegschaft übertreffen.
Die private SparbuchÂRentenversicherung ist eine handelsübliche Versicherung und nach eigenem Ermessen abzuschließen.
Auf dem Land haben viele Gebiete die Rentenversicherung mit der Familienplanung kombiniert und auf dieser Grundlage zahlreiche Formen der Rentenversicherung geschaffen. In ländlichen Gebieten der Provinz Sichuan z.B. wurde in Verbindung mit einer Unfallversicherung für "das einzige Kind" eine ElternÂRentenversicherung in die Tat umgesetzt, das heißt, der Zuschuss für das Kind wird nicht direkt den Eltern gegeben, sondern als Prämie in die Unfallversicherung eingezahlt. Das Geld wird dann der Rentenversicherung der Eltern zugerechnet, sobald das Kind das vierzehnte Lebensjahr erreicht hat. Falls ein Ehepaar mit 25 Jahren ein Kind bekommt, erhält es mit 60 eine monatliche Rente von rund 160 Yuan. Dies soll nicht nur dazu beitragen, die Sorgen um ein finanzielles Auskommen im Alter zu erleichtern, sondern auch helfen, die Familienpolitik im Sinne einer wirkungsvollen Kontrolle des Bevölkerungswachstums durchzusetzen.
- Altenfürsorge durch Familienmitglieder und die Entwicklung kommunaler Dienstleistungen
Aufgrund der rasch fortschreitenden Überalterung ist in China, wie bereits dargelegt, noch keine umfassende Sozialabsicherung möglich. Es ist deshalb nötig, dass auch Familienmitglieder für den Lebensunterhalt alter Menschen sorgen, was in China ohnedies gute Tradition ist. Nach einer 1992 durchgeführten Untersuchung in 12 Provinzen, autonomen Gebieten und regierungsunmittelbaren Städten lebten nur 40% der alten Menschen allein, 60% der alten Menschen lebten mit ihren Kindern oder Enkelkindern zusammen.
Der Anteil des Lebensunterhalts alter Menschen, der von ihren Familien kam, betrug in den Städten, Gemeinden und Kreisen jeweils 16,8%,21,0% und 38,1 %. Auf dem Land ist dieser Anteil noch größer - ein Beweis, dass die Versorgung von alten Menschen durch ihre Familienangehörigcn in der Gesellschaft noch immer fest verankert ist.
In diesem Punkt gibt es in den westlichen und östlichen Kulturen deutliche Unterschiede. In China, Japan und auch anderen asiatischen Ländern wird die Tradition, dass alte Menschen mit ihren Kindern zusammenleben, noch hoch geschätzt. Zunehmende Bedeutung hinsichtlich der Fürsorge für alte Menschen kommt heute aber auch den Kommunen zu. Vor allem die medizinische Fürsorge und das kulturelle Angebot für alte Menschen fallen in ihre Zuständigkeit. Es gibt heute in China mehr und mehr Altersheime, Altenwohnheime und Sterbekliniken sowie andere Einrichtungen, die alten Menschen zur Verfügung stehen.
Der Unterhaltung dienen Klubs in verschiedener Form, es gibt Seniorenhochschulen für Malerei und Kalligraphie, und alte Menschen können eigene Vereine gründen, die ihren Bedürfnissen entsprechen und ihnen die Möglichkeit eröffnen, zum Wohl der Gesellschaft noch aktiv zu sein.
- Weiterbeschäftigung alter Menschen
Ein anderer kultureller Unterschied zwischen Ost und West ist die Einstellung über die Weiterbeschäftigung von alten Menschen. In westlichen Ländern nehmen alte Menschen, sobald sie in den Ruhestand getreten sind, normalerweise keine berufliche Arbeit mehr auf, doch in asiatischen Ländern beschäftigen sich zahlreiche Pensionäre und Rentner weiterhin mit bestimmter Arbeit. In Japan beträgt die Beschäftigungsrate der alten Menschen über 65 Jahre 25,1 % und steht damit unter den entwickelten Ländern an der Spitze.
In China liegt die Beschäftigungsrate der Menschen über 60 Jahre in den Städten bei rund 15,0%, in den Gemeinden bei 11,6% und auf dem Land etwa bei 33%. Die durchschnittliche Beschäftigungsrate der alten Menschen liegt bei 22,7% und damit deutlich über dem Durchschnitt der ganzen Welt.
Es gibt wirtschaftliche und kulturelle Gründe dafür, dass zahlreiche alte Menschen in China noch einer Arbeit nachgehen.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Beschäftigung alter Menschen wichtig für deren Lebensunterhalt. Dies gilt vor allem für die alten Menschen auf dem Land. Andere gehen Tätigkeiten nach, die sie geistig fordern, die sie teilhaben lassen am gesellschaftlichen Leben lind davor bewahren, im Abseits zu landen. Die Beteiligung der Senioren an der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt bringt allerdings angesichts der ohnedies schon schwierigen Situation einen noch größeren Druck auf die Beschäftigungslage mit sich.
























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