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Tongli und Zhouzhuang - wie Venedig, nur viel schöner
Die malerischen Wasserstädtchen Tongli und Zhouzhuang in der Provinz Jiangsu
In vielen China-Reiseführern werden die alten Kleinstädte Tongli und Zhouzhuang erst gar nicht erwähnt, und auch auf den ansonsten recht genauen Karten der Reiseführer findet sich kein Hinweis. Ganz so, als gäbe es die Städtchen überhaupt nicht... Und doch gibt es sie wirklich. Vielen Urlaubern, die eine Reise im Jangtse-Delta planen, fallen oft zuerst die Tourismusmagneten Suzhou und Hangzhou ein.
Suzhou, bekannt für die vielen gut erhaltenen Privatgärten und Hangzhou, eine Kulturstadt wie aus dem Bilderbuch. Doch Heerscharen von Touristen werden Jahr für Jahr nach Suzhou und Hangzhou geschleust und pilgern dort in Massenprozessionen umher, als gäbe es in dieser Gegend südlich des Jangtse nur die Suzhouer Gärten und den Hangzhouer Westsee. Dabei sind die beiden oft verschwiegenen Kleinstädte Tongli und Zhouzhuang vielleicht auch wegen ihrer Verschwiegenheit geradezu ein Geheimtipp.
Sie sind so idyllisch, dass ihr Besuch, der von Shanghai aus bequem in zwei bis drei Tagen zu absolvieren ist, vielleicht sogar mehr bringt als das Abhaken touristischer "Highlights" in den beiden Großstädten. Man kann sich z.B. im Sport-Hotel auf dem Gelände des Shanghaier Stadions einquartieren. Es liegt im Südwesten der Stadt und ist für Ausflüge nach Zhouzhuang, Tongli und Zhujiajiao ideal, weil von hier aus die Busse in die Umgebung starten. Ab 7 Uhr morgens kann man sich auf den Weg machen, ca. zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt nach Zhouzhuang. Am Eingang zur Altstadt kauft man sich ein Ticket, mit dem die Eintrittsgebühren für alle Sehenswürdigkeiten abgedeckt sind. Solche Sammeltickets gibt es auch in Tongli.
Das fast tausendjährige Zhouzhuang ist ein ungemein reizvoller Ort. Autos haben in der Altstadt nichts zu suchen, es wäre für sie auch kein Platz. Der Verkehr findet auf dem Wasser statt. Viele kleine Brücken überspannen die Wasserläufe, enge Gassen durchkreuzen das Städtchen. Man bummelt und staunt und vergiß die Zeit, bis sich der Hunger meldet. Den kann man dann mit vielerlei Imbissen stillen, die überall verkauft werden, frische Krabben inklusive. Oder man besucht eines der netten kleinen Restaurants. Zum Teil recht hübsche Souvenirs und ein Angebot von mitunter hervorragenden Antiquitäten nehmen noch einige Zeit in Anspruch, und dann sollte man sich ein Boot nehmen für die Weiterfahrt nach Tongli. Da gibt es Motorboote für Touristen, schnelle Fahrt zu Einheitspreisen ist garantiert, doch wer es beschaulicher haben will, der halte Ausschau nach einem privaten Bootsmann. Mit dem wird der Preis ausgehandelt, und dann geht es gemächlich durch dieses "Land von Reis und Fisch", wie die Chinesen sagen.
So gemächlich ließ sich anno 1868 auch der schweizerische Seidenhändler Adolf Krayer, dessen Schilderungen unter dem Titel "Als der Osten noch fern war" in Buchform erschienen sind, durch diese Gegend schippern: "Um 2 Uhr nachmittags langten wir in der berühmten Stadt Suzhou an, die allein im ganzen großen Reiche dem schönen Canton den Rang für Kunst und Reichtum, Lebenslustigkeit und Bildung streitig macht. Suzhou ist das Paris und Lyon zugleich von China!" Friedemann Berger, ein Fachmann in Sachen Reiseliteratur, der viele Berichte über Tongli verfaßte, bezeichnet die Stadt als "eine kleine Stadt wie aus einem Film über das alte China".
Man merkt dem Städtchen an, daß es einmal reiche Familien beherbergt hat. Wohnhöfe, in denen Aristokraten und wohlhabende Kaufleute residiert hatten, sind zu besichtigen, z.B. der Komplex einer reichen Familie aus der Ming-Dynastie von 1368 bis 1644, der nicht weniger als 52 Räume umfaßt. Auch wunderschöne Gärten gibt es hier, zwar nicht so weitläufige wie die in Suzhou, weil dafür hier der Platz nicht reichte, jedoch Gärten, die im Kleinen das höchste Maß an Harmonie verwirklichten. Für den "Garten zur tiefen Besinnung" (Tuisi Yuan) sollte man sich Zeit nehmen, ebenso für das kleine Sex-Museum, in dem es erstaunliche Dinge zu sehen gibt ...
In Tongli gibt es viele Brücken, angeblich sind es 49. Je nach verwendetem Material weiß man, aus welcher Zeit sie stammen: Basaltähnliche Quader von schwarzer Farbe wurden in der Song- und der Yuan-Dynastie verbaut, also vor gut tausend Jahren bis zum Ende der Mongolenherrschaft im 14. Jahrhundert. Die Brücken aus grauem Gestein stammen aus der Ming-Dynastie, die aus Granit aus der letzten kaiserlichen Epoche, der Qing-Dynastie, die 1911 zu Ende ging. Steine, die Geschichte erzählen können. Quartier kann man z.B. in einem einfachen Hotel an der Brücke gleich hinter der Bushaltestelle nehmen. In der Nähe der beiden erwähnten Reiseziele gibt es noch eine Ortschaft im Jangtse-Delta, die ebenso besuchenswert ist: Zhujiaqiao. Auch Zhujiaqiao ist ein Ort mit viel Wasser, vielen Brücken und vielen malerischen Winkeln.
Autor: Yiruisi

























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